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Artikel zur Psyche - Psychische Probleme
Beziehungsangst
Psyche - Beziehungsprobleme
Hallo!
Seit Jahren schleppe ich dieses Problem mit mir rum und konnte noch keinen finden, dem ich es mitteilen konnte. Aber langsam merke ich, dass es nicht so weiter gehen kann. Also versuch ichs mal hier und hoffe, dass ich einige hilfreiche Antworten erhalte.

Ich bin 26 Jahre alt, weiblich - und hatte noch nie eine Beziehung. Ich habe noch nie jemanden geküsst, ja nicht mal händchen gehalten. Das liegt nicht daran, dass ich furchtbar hässlich oder dumm wäre. Ich habe einfach furchtbare Beziehungsangst. Es gibt viele Männer, die mich toll finden, aber jedes Mal, wenn sie mir andeuten, dass sie mehr als nur "Freundschaft" wollen, setzt bei mir der Fluchtinstinkt ein. Ich kannn einfach nicht anders. Es überfällt mich jedes Mal eine derartig große Angst, dass ich tagelang, nächtelang nur noch mit dem Gedanken beschäftigt bin, wie ich aus dieser "prikären" Situation wieder rauskomme.

Ein Grund dafür denke ich ist, dass ich furchtbare Versagensängste habe. Dies eigentlich auch in allen Lebensbereichen. Das hängt damit zusammen, dass ich von klein auf immer auf Höchstleistung getrimmt wurde. Meine Mutter wollte aus mir eine Konzertpianistin machen und seit dem 4. Lebensjahr wurden nur Bestleistungen akzeptiert. Wenn ich als 6-jährige nach 8 Stunden Klavier üben keine Lust mehr hatte gab es Schläge oder einfach Vorwürfe, dass ich Undankbar sei. Auch was die Schule anbelange war es dasselbe. Ich war nur ein "gutes Kind", wenn ich sehr gute Noten nach Hause brachte. Also trage ich immer noch ständig die Angst mit herum, dass ich jemanden durch mein Verhalten enttäuschen könnte. Bzw. verlassen werde, nur weil ich nicht perfekt bin. Dieses ständige Streben nach Perfektion find ich auch zum Kotzen, aber ich kann einfach nicht anders...

Außerdem war meine Mutter immer der Meinung, dass ich furchtbar dick wäre (was eigentlich gar nicht stimmt) und seit der Grundschule höre ich mehrmals täglich Aussprüche, wie "Mensch, bist du hässlich", "Oh gott, hast du wieder zugenommen", "Dumm und hässlich, kein Wunder, dass du keinen abkriegst". Zwar beteuern mir sehr viele Männer, dass ich wunder hübsch sei, wenn ich in der Stadt laufe, drehen sich die Männer nach mir um oder sprechen mich auch öfters an, aber egal, was man mir sagt, ich kann ihnen einfach nicht glauben. Meine erste Reaktion ist immer: "die wollen mich veräppeln".

Ein weiterer Grund ist glaube ich, dass ich mein Leben lang miterlebt habe, wie sich meine Eltern nur gezofft haben, bzw. immer noch zoffen. Bei denen ist die Ehe sowieso nur noch ein "Bund aus Gewohnheit". Überhaupt wurden Zärtlichkeiten nie öffentlich ausgetauscht - was wahrscheinlich auch am asiatischen Background meiner Mutter liegt. So ist es auch, dass meine Mutter jedes Mal schnell wegschaltet, wenn im Fernsehen, irgendwelch Kuss- oder sonstigen intimeren Szenen gezeigt werden. Also mein Verhältnis zu einer gesunden Sexualität ist total gestört.

Nun bin ich ja nicht mehr Kind und meine Vernunft sagt mir auch, dass ich mich von all diesen "Traumata" losreißen muss. Meine Vernunft weiß, dass Liebe etwas schönes ist und Sexualität nichts schlimmes. Aber ES GEHT EINFACH NICHT!!! Wenn mir jemand sagt, dass er mich mag, dann reagiert mein Körper mit Panik und Würgereizen. Das ist echt schlimm. Und ich will auch nicht mehr so weiter leben.


Was soll ich bloß tun?!
 
Kommentare (3)
1 Dienstag, 22. Dezember 2009 um 23:17
ich
kann man nur akzeptieren...das ist auch der schlüssel
wenn man es als negativ sieht, bleibt es so wie in stein gemeisselt.
nimm es hin...dann kann sich das problem auflösen...
2 Sonntag, 03. Januar 2010 um 01:14
INA
Sieht bei mir erschreckend ähnlich aus...nur bin ich 22 und hab mehrere Scheidungen meiner Mutter miterlebt. Das Panikgefühl bei körperlicher Nähe von einem potentiellen Freund kenn ich nur zu gut. Sobald ich irgendwie merke, dass Interesse vorhanden ist, werde ich panisch und ich will nur noch fliehen!

Was hilft? Keine Ahnung. Vielleicht versuchen offen drüber reden mit Freunden, das hat zumindest mir einen Teil der Panik genommen.
3 Samstag, 23. Januar 2010 um 20:37
Anonymus
Ich kann o.g. Probleme voll nachvollziehen. Wenn man seit der Kindheit nie wirklich Akzeptanz erfahren hat. Wenn man versucht hat, sein bestes zu geben und keiner hat es gedankt, infolgedessen hat man es selbst nicht gedankt. Und nun bist du erwachsen und hast stets Angst, nur "durchschnittlich" zu sein, nix besonderes. Und misstraust jedem Kompliment, weil du gar nicht weißt, damit umzugehen und Komplimente zu "akzeptieren" bzw. zu schätzen. Denn dieses Mißtrauen ist tief verankert und "wieso kann jemand Komplimente machen, ich bin doch gar nicht so toll oder gut".
Dieses Problem haben viele Menschen, bei dir ist das ganze natürlich besonders ausgeprägt. Ich weiß nicht, ob schon geschehen, aber eine professionelle Psychotherapie kann da sehr gut helfen. Man lernt Verarbeitungsstrategien und Selbstakzeptanz; eigene Werte schätzen, etc.

Ich selbst mache ähnliches durch, nur eben nicht so extrem. Ich lasse mich durchaus auf Beziehungen ein, aber Komplimente tue ich ab; messe ich keinen Wert, da ich mir unsicher bin, ob es nicht nur "geschleimt" ist; was natürlich völliger Quatsch ist, denn jemand, der einen liebt, sagt nicht einfach irgendwas dahin. Aber da ist eben das Selbstbild gestört.
Ach darüber könnte man Stunden schreiben... Wie schon gesagt: professionelle Hilfe ist hier unerläßlich und superhilfreich.